Kaum ein Unternehmen in der Branche kann den Personalbedarf decken, viele arbeiten deshalb vermehrt mit Selbstständigen - sogenannten Freelancern.

Wir sprechen zu diesem Thema mit unserem Geschäftsführer Ing. Matthias Mayer (MM) und unserem Leiter für Engineering Services, Gerhard Burgstaller, MSc (GB).

Ein Teil des folgenden Interviews wurde bereits im renommierten Oberösterreich Magazin (Seite 10-11) veröffentlicht. Während der Magazinartikel nur einen Auszug enthielt, finden Sie hier das gesamte Interview, das Ihnen noch tiefere Einblicke bietet.

 

 

 

Warum und seit wann arbeiten Sie mit Freelancern?

MM: Wir arbeiten bereits seit der Gründung unseres Unternehmens vor 40 Jahren kontinuierlich mit Freelancern zusammen – auch wenn es damals noch nicht so üblich war wie heute. In unserer Branche gab es immer schon die „Freigeister“, die es bevorzugten, flexibel an verschiedenen Projekten zu arbeiten, anstatt bei einem einzigen Unternehmen fest angestellt zu sein.

Der Vorteil dieser Arbeitsweise liegt in der hohen Flexibilität und dem schnellen Zugang zu Fachkräften, um Projekte abzudecken. Unser Pool umfasst etwa 100 Freelancer aus verschiedenen Fachgebieten, die alle über einschlägige Erfahrung verfügen.

Haben Sie in der Vergangenheit Freelancer oder externe Fachkräfte eingesetzt, um Lücken im Fachkräftebedarf zu schließen? Wenn ja, in welchen Bereichen und zu welchem Zweck?

MM: Ja, im Service Bereich Engineering Solutions – vor allem im HSE-Management – bevorzugen wir es, Freelancer einzusetzen, um unsere personellen Engpässe zu überbrücken. Denn insbesondere in diesem Bereich ist der Fachkräftemangel deutlich spürbar. Weiters verfügen die Fachkräfte am Arbeitsmarkt bei weitem nicht über die Kompetenzen und Erfahrungen, die Freelancer mitbringen.

 

GB: Wir setzen in allen Kompetenzbereichen auf Freelancer, um kurzfristig anspruchsvolle Aufgaben zu lösen. Aufgrund der hohen Komplexität unserer Projekte ist es unerlässlich, sofort über fachliches Know-how zu verfügen, ohne eine langwierige Einarbeitungszeit in Kauf nehmen zu müssen. Freelancer sind meist sehr erfahrene Techniker, die dies ermöglichen.

Angesichts des Fachkräftemangels stellt der Einsatz von Freelancern für uns eine optimale Lösung dar, da wir gezielt auf benötigte Ressourcen zugreifen können. Der projektbezogene und zeitlich begrenzte Einsatz von Freelancern ist zudem kostensparend, da keine laufenden Kosten anfallen.

Wie definieren Sie den Begriff "Fachkräftemangel" in Ihrem Unternehmen oder Ihrer Branche?

MM: Diese Situation ist nicht spezifisch für unser Unternehmen, sondern betrifft generell die Branchen Maschinen- und Anlagenbau. Es gibt zu wenige Fachkräfte, die aus den Schulen und Fachhochschulen nachrücken. Das Thema der Ausbildung muss dringend angegangen und korrigiert werden.

Wir suchen buchstäblich nach der Nadel im Heuhaufen. Der einzige Weg, qualifiziertes Personal zu gewinnen, besteht oft in der Abwerbung, die wiederum nur mit höheren Gehältern gelingt, was eine Negativspirale in Gang setzt.

 

GB: Für mich bedeutet Fachkräftemangel, dass Aufträge aufgrund fehlender Personalressourcen nicht mehr termingerecht erfüllt werden können und wir an Innovationskraft verlieren, weil das notwendige Know-how fehlt.

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Matthias Mayer
Geschäftsführer

Es gibt zu wenige Fachkräfte, die aus den Schulen und Fachhochschulen nachrücken. Das Thema der Ausbildung muss dringend angegangen und korrigiert werden. Wir suchen buchstäblich nach der Nadel im Heuhaufen.

Inwiefern hat Ihr Unternehmen den Fachkräftemangel in den letzten Jahren erlebt?

MM: In unserem Servicebereich Engineering Support – der Vermittlung und Überlassung von Fachkräften – ist der Mangel an ausgebildeten Arbeitskräften stark spürbar. Aus diesem Grund sind wir aktiv in Schulen, Fachhochschulen und Universitäten präsent. Dort präsentieren wir unser Unternehmen und bieten Projekte für Absolventinnen und Absolventen an, damit sie bereits vor ihrem Abschluss eine Verbindung zu unserem Unternehmen aufbauen können.

 

GB: Der Fachkräftemangel ist in unserem Unternehmen besonders präsent, da wir uns als Entwicklungsdienstleister in der Wertschöpfungskette an vorderster Front befinden. Und hier Fachwissen sowie Know-how von entscheidender Bedeutung sind.

Für uns ist der Fachkräftemangel die größte Wachstumsbremse. Diese Herausforderung betrifft sämtliche Bereiche unseres Unternehmens. Im Engineering Support haben wir Schwierigkeiten, passendes Personal für unsere Kunden zu finden. Im Bereich Engineering Solutions fehlen uns die Fachkräfte für die Umsetzung unserer Projekte.

Welche Vorteile sehen Sie darin, Freelancer oder externe Fachkräfte gegenüber festangestellten Mitarbeitern einzusetzen?

GB: Es gibt mehrere Vorteile, Freelancer oder externe Fachkräfte im Vergleich zu festangestellten Mitarbeitern einzusetzen.

Erstens ist es dadurch möglich Ressourcen und Know-how genau dann einzusetzen, wenn sie benötigt werden, was eine flexible Anpassung an Projektanforderungen ermöglicht.

Zweitens ermöglicht der Einsatz von Freelancern eine genauere Kostenkalkulation und besseres Zeitmanagement, aufgrund der Möglichkeit eines Pauschalangebotes im Vorfeld. Im Gegensatz zu festangestellten Mitarbeitern entfallen laufende Kosten wie Gehalt, Krankenstand oder andere Sozialleistungen.

Drittens erfordern Freelancer in der Regel eine geringere Einarbeitungszeit, da sie meist über mehr Erfahrung sowie über spezifische und besonders gefragte Fähigkeiten verfügen, die für bestimmte Projekte von entscheidender Bedeutung sind.

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Gerhard Burgstaller
Bereichsleiter - Engineering Services

Es gibt mehrere Vorteile, Freelancer oder externe Fachkräfte im Vergleich zu festangestellten Mitarbeitern einzusetzen. [...] Im Gegensatz zu festangestellten Mitarbeitern entfallen laufende Kosten wie Gehalt, Krankenstand oder andere Sozialleistungen.

Gibt es spezifische Fähigkeiten oder Expertisen, für die Sie eher auf Freelancer zurückgreifen als festangestellte Mitarbeiter einzustellen?

MM: Es gibt nicht nur die eine spezifische Fähigkeit, die für uns relevant ist, sondern die grundsätzliche Expertise unserer Freelancer in bestimmten Fachbereichen. Dieses Spezialwissen ist insbesondere bei temporären Projekten oder in Bereichen mit unregelmäßiger Auslastung für uns entscheidend. Die Einarbeitungszeit für einen festangestellten Mitarbeiter wäre in solchen Situationen zu lang, weshalb der Einsatz von Freelancern eine effizientere Lösung darstellt.

 

GB: Es gibt Projekte, bei denen eine sehr hohe Erfahrung gefragt ist. Zum Beispiel arbeiten wir mit einem gerichtlich beeidigten Sachverständigen im Maschinenprüfwesen zusammen, der über umfangreiches Know-how verfügt und eine bedeutende Expertise in seinem Fachgebiet mitbringt.

Wie gehen Sie bei der Auswahl und Einstellung von Freelancern vor, um sicherzustellen, dass sie den Anforderungen Ihrer Projekte gerecht werden?

MM: Bei der Auswahl und Beauftragung von Freelancern kommt uns unsere Erfahrung am Markt zugute. So können wir bei den ersten persönlichen Gesprächen bereits sehr gut einschätzen, ob der Freelancer die Anforderungen für unserer Projekte gerecht werden kann oder nicht.

Bevor wir einen Freelancer für ein Projekt engagieren, findet immer ein persönliches Gespräch statt, in dem sowohl der Freelancer seine Erfahrungen und Referenzen präsentiert als auch wir unsere Projektanforderungen darlegen. Auf dieser Basis kann der Freelancer auch selbst entscheiden, ob das Projekt seinen Fähigkeiten entspricht.

Es ist wichtig, dass sowohl wir als auch der Freelancer ehrlich sind, wenn ein Projekt nicht geeignet ist, da die Projektabwicklung sonst für beide Seiten unbefriedigend wäre.

Wir streben eine langfristige Partnerschaft an, dadurch können sowohl wir als auch der Freelancer besser planen und die zukünftige Zusammenarbeit erleichtern.

 

GB: Grundsätzlich starten wir bei neuen Kooperationen meist mit kleineren Projekten oder sogenannten Softstarts, bei denen nur wenige Stunden benötigt werden, um die Zusammenarbeit zu testen und zu evaluieren.

Wir legen großen Wert darauf, dass die Verträge rechtskonform gestaltet sind, um das Risiko für beide Seiten zu minimieren. Derzeit verfügen wir über einen Pool von 100 Freelancern, von denen uns der Großteil schon viele Jahre begleitet und deren Arbeit wir schätzen.

Welche Herausforderungen haben Sie bei der Zusammenarbeit mit Freelancern erlebt, insbesondere im Vergleich zur Arbeit mit festangestellten Mitarbeitern?

MM: Es ist nicht immer möglich, kurzfristig auf Freelancer zuzugreifen, da sie oft bereits in anderen Projekten eingebunden sind. Um diesem Problem entgegenzuwirken, ist es wichtig, bereits zu Projektbeginn den Bedarf an Freelancern zu erkennen und entsprechend zu planen.

Glauben Sie, dass die verstärkte Nutzung von Freelancern eine langfristige Lösung für den Fachkräftemangel darstellen könnte?

MM: Nein, ich glaube nicht, dass die verstärkte Nutzung von Freelancern eine langfristige Lösung für den Fachkräftemangel darstellen könnte. Sie können zwar kurz- und mittelfristig als Hilfsmittel dienen, um die Lücken zu decken, jedoch nicht als endgültige Lösung. Es ist wichtig zu beachten, dass Freelancer nicht generell für alle Aufgaben eingesetzt werden sollten, sondern nur für bestimmte, klar abgegrenzte Projekte oder Projektabschnitte. Auf lange Sicht ist meiner Meinung nach die verstärkte Nutzung von Freelancern keine nachhaltige Lösung für den Fachkräftemangel.

 

GB: Die verstärkte Nutzung von Freelancern ist meiner Meinung nach keine alleinige Lösung für den Fachkräftemangel, sondern nur eine von mehreren Möglichkeiten.

Projekte werden immer komplexer, was einen höheren Bedarf an Fachwissen mit sich bringt. Freelancer können hier punkten, da sie sowohl Fachwissen als auch Flexibilität mitbringen. Dennoch wird es immer einen gewissen festen Personalstamm geben müssen, um die Stabilität eines Unternehmens oder einer Abteilung zu gewährleisten.

Wir sind kontinuierlich bestrebt, unser Netzwerk von Freelancern für unsere Fachteams zu erweitern, um sicherzustellen, dass wir stets über die erforderlichen Ressourcen verfügen, um die Anforderungen unserer Projekte zu erfüllen.

Als Dienstleister bieten wir unseren Kunden nicht nur hochqualifizierte Freelancer, sondern auch eine rechtskonforme Unterstützung für ihre Projekte an.

 

 

Titelbild: Adobe Stock